Tarifvertrag einzelhandel gehaltsgruppen hessen

Betrachtet man die Lohnentwicklung für alle Arbeitnehmer in Österreich (d.h. auch für Arbeitnehmer mit instabilen und prekären Beschäftigungsverhältnissen, die in den in der nachstehenden Tabelle nicht berücksichtigtwerden) sind laut einer recht aktuellen Studie (Eppel et al. 2017) nur geringe Lohnerhöhungen zwischen 2000 und 2015 zu beobachten. Dieser vorsichtige Anstieg liegt den Forschern zufolge in einer Segmentierung des österreichischen Arbeitsmarktes in stabilen (d.h. ganzjährigen Beschäftigten) und instabilen (d.h. saisonal beschäftigten, mit Unterbrechungen beschäftigten) Beschäftigten. Mehr als ein Drittel der Beschäftigten fällt in die letztgenannte Kategorie; Während die durchschnittlichen realen Bruttolöhne (d. h. inflationsbereinigt) zwischen 2000 und 2015 insgesamt um 6,2 % gestiegen sind, betrug der Anstieg bei den stabilen Beschäftigten über 7 %, und bei instabilen Beschäftigten stagnierten die Reallöhne (plus 0,3 %). Die Zusammensetzung der beiden Arbeitsmarktgruppen hat sich in den letzten 15 Jahren geändert, auch aufgrund der Arbeitsmarktöffnung für Staatsangehörige aus mittel- und osteuropäischen Ländern in den Jahren 2011 und 2014; während im Jahr 2015 nur 44 % der ausländischen Arbeitnehmer ein stabiles Arbeitsverhältnis hatten, lag der Anteil im Jahr 2000 bei 53 %. Gleichzeitig waren fast drei Viertel der österreichischen Arbeitnehmer (72%) ein stabiles Beschäftigungsverhältnis im Jahr 2015, das sogar gegenüber dem Jahr 2000 (68%) zunahm. In Österreich ist der Abschluss von Tarifverträgen im Wesentlichen auf den privaten Sektor beschränkt. Diese Vereinbarungen werden fast ausnahmslos auf sektoraler Ebene mit mehreren Arbeitgebern ausgehandelt.

Die Gewerkschaften für Arbeiter und Angestellte bilden in der Regel eine Verhandlungsgemeinschaft, so daß die vereinbarten Lohnerhöhungen in den meisten Fällen für beide Kategorien von Arbeitnehmern gleich sind. Die meisten sektoralen Tarifverträge decken das gesamte Staatsgebiet ab, und in einigen Fällen werden sie auch auf Provinzebene (Land) abgeschlossen. Tarifverträge sind rechtsverbindlich. Seit Ende der 80er Jahre ist eine Tendenz zur “organisierten Dezentralisierung” der Tarifverhandlungen zu beobachten. Infolgedessen gewinnt die zwischen den Sozialpartnern auf Unternehmensebene geschlossene Betriebsvereinbarung als Instrument zur Regelung der Beschäftigungsbedingungen zunehmend an Bedeutung, als Teil der allgemeinen Tendenz zu mehr Flexibilität, insbesondere in Bezug auf Arbeitszeit und – bis zu einem gewissen Grad – Lohn.